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Erfolgreich im Homeoffice

Viele Arbeitnehmer mussten aufgrund der Corona-Pandemie ins Homeoffice umsteigen. Vielleicht darfst beziehungsweise musst auch Du während deiner Ausbildung von zu Hause arbeiten. Wir geben Dir Tipps, wie Du dort gut zurechtkommst und welche Vor- und Nachteile Homeoffice mit sich bringt.

Ende des Jahres 2020 arbeiteten laut einer Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung (eine gemeinnützige Stiftung des Deutschen Gewerkschaftsbundes) 16 Prozent der Arbeitnehmer überwiegend oder ausschließlich von daheim. Vor der Corona-Pandemie waren es nur vier Prozent. Fast die Hälfte der Befragten möchte auch in Zukunft gerne von zu Hause arbeiten, was die hohe Zufriedenheit und Offenheit gegenüber Homeoffice zeigt.

Im Homeoffice bist Du in Deinem gewohnten Umfeld, kannst flexibler arbeiten und hast keine telefonierenden Kollegen um Dich herum, die Dich bei der Arbeit stören. In der Umfrage gaben 77 Prozent an, Homeoffice erleichtere die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. 60 Prozent glauben, zu Hause effektiver zu arbeiten. Auch die Studie des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) stellt eine positive Wirkung von ortsflexiblem Arbeiten fest. Die Mitarbeiter seien zu Hause produktiv und mit der Arbeit zufrieden. Die IG Metall bemerkt: „Die
Bedenken der Arbeitgeber, dass die Beschäftigten zu Hause weniger produktiv sind, haben sich nicht bestätigt.“ Außerdem musst Du nicht zur Arbeit pendeln, verbringst also weniger Zeit im Auto oder in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Wenn Du gerne Musik beim Arbeiten hörst, kannst Du sie ungestört laufen lassen. Jedoch gilt das auch für Deine Nachbarn, von deren Musik Du vielleicht gestört wirst. Das ist ein Nachteil von Homeoffice. In der Umfrage der Hans-Böckler-Stiftung hat sich vor allem ein Problem der Arbeit daheim gezeigt: 60 Prozent der Befragten haben das Gefühl, die Grenze von Arbeit und Freizeit verschwimme. Das stellt auch das BMAS fest. Außerdem gibt es das Risiko, von Gesprächen zwischen Mitarbeitern isoliert zu werden. All das kann zu Schlafproblemen und psychischer Überlastung führen. Die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) berichtet, dass einige Azubis sich im Distanzunterricht des Berufskollegs allein gefühlt haben. „Insgesamt ist es für alle Beteiligten angenehmer, in direktem Austausch zu sein und Feedback zu bekommen.“

Rückmeldung kannst Du aber auch im Homeoffice anfordern und über (Video-)Telefon mit Deinen Lehrern oder Vorgesetzten sprechen. Gegen die Isolation und Überlastung kann Kommunikation mit dem Arbeitgeber helfen. Die Erwartungen Deines Chefs müssen realistisch sein. Achte auf Deine Arbeitszeit und Dein Arbeitspensum. Wenn Du Dich unwohl, gestresst und überfordert fühlst, sprich es an. Und wenn Du nicht die passenden technischen Geräte wie Laptop oder Mikrofon hast, muss Dein Arbeitgeber sie Dir stellen.

Bei jeglicher Form von Problemen kannst Du Dir Hilfe holen. Gewerkschaften bieten entsprechende Anlaufstellen an und Betriebsräte oder Jugendvertreter können als Ansprechpartner dienen und weitere Hilfe vermitteln. Zum Beispiel bietet die IG Metall ihren Mitgliedern Schulungen zum Thema Homeoffice / mobiles Arbeiten an, wobei auch der Umgang mit psychischem Druck und Probleme thematisiert werden. In vielen Unternehmen gibt es auch gewählte Personalräte oder Jugend- und Auszubildendenvertretungen, an die Du Dich wenden kannst.

Im Homeoffice kommen wahrscheinlich zusätzliche Kosten auf Dich zu. Du nutzt mehr Strom und Wasser, benötigst vielleicht schnelleres Internet und drehst die Heizung höher. Büroräume fehlen zu Hause, es gibt keine ergonomische Ausstattung des Arbeitsplatzes, weil zum Beispiel Bürostühle fehlen. Vielleicht musst Du den Platz mit Deinem Partner oder der Familie teilen.

Letztendlich ist Homeoffice Typsache – es kann Dir liegen oder eben nicht. Gut zusammengefasst hat das die IG Metall: „Für die einen ist mobiles Arbeiten ein Erfolgsrezept, weil sich so für sie Familie und Beruf besser miteinander vereinbaren lassen. Die anderen wollen die Arbeit möglichst stark von den eigenen vier Wänden trennen.“ Mit Homeoffice könne man selbstständiger und unabhängiger sein. Jedoch dürfe das nicht dazu führen, dass sich Deine Arbeitszeit verlängert, mehr Leistung von Dir verlangt wird und Du gestresst bist.

 

redaktioneller Artikel: von Valeria Schulte-Niermann

Bild: Adobe Stock ©agcreativelab