Der Traum vom Fußballprofi – Berufliche Alternativen in der Fußballbranche

„Wenn ich groß bin, möchte ich Fußballprofi werden.“ Genau das ist der Traum vieler junger Fußballtalente, die schon seit ihrer Kindheit im Fußballverein spielen. Sie träumen davon, ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen, vor 50.000 Zuschauern zu spielen und als Spieler der Nationalmannschaft mit dem Adler auf der Brust die Hymne zu singen.

Frank Ditgens, pädagogischer Leiter der Nachwuchsabteilung von Bayer 04 Leverkusen, weiß genau, worauf es bei Eurem Weg in den Profifußball ankommt und welche beruflichen Alternativen es in der Branche gibt, wenn ihr es nicht in den Profibereich schafft.

„Die Ausbildung zum Profifußballer ist ein langer Prozess. Talent allein reicht da bei Weitem nicht mehr aus“, weiß Ditgens. Vielmehr seien es Tugenden wie Disziplin, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen, die für den Prozess der Weiterentwicklung und für das Abrufen des Potenzials unerlässlich sind. Hinter diesen Begriffen verstecken sich einige Anforderungen, die unbedingt erfüllt werden müssen. Es ist zum Beispiel wichtig, sich an vorgegebene Abläufe von Trainern und Mannschaftsverantwortlichen zu halten. Zudem müsst ihr zeigen, dass ihr Euch auch wirklich verbessern wollt. Außerdem sei ein „langer Atem“ sehr wichtig und dass ihr „nach Verletzungen nicht ungeduldig werden dürft“, so Ditgens weiter.

Wenn ihr Euch sicher seid, diese Anforderungen erfüllen zu können, habt ihr bereits eine gute Grundlage, Euch schnell weiterzuentwickeln und auf Euer Talent aufmerksam zu machen. Und dennoch sind weitere „Säulen auf dem Weg zum Fußballprofi“, wie Ditgens sagt,  zusätzlich zu den bereits angesprochenen Anforderungen, nicht zu vernachlässigen. Zu diesen Säulen zählen Dinge wie die schulischen Leistungen, eine Berufsausbildung, ein gutes Umfeld sowie Familie und Freunde. Frank Ditgens spricht dabei ungern von dem sogenannten „zweiten Standbein“ sondern fordert in allen Bereichen diese „ganzheitliche Ausbildung“.

Damit ihr für Euch persönlich einen Haken hinter die Säule der Berufsausbildung machen könnt, findet ihr im Folgenden einige Berufe, die Euch sowohl eine gute berufliche Grundlage als auch eine Verbindung zum Fußball bieten.

Hautnah dabei

Mindestens genauso wichtig wie die Spieler, sind die Trainer einer Mannschaft. Sie sind dafür verantwortlich, wie die Mannschaft spielerisch und taktisch auftritt, ob sie fit ist und wie motiviert das Team ins Spiel geht. Natürlich braucht ihr hierfür auch eine Grundausbildung. Diese staffelt sich in verschiedene Stufen. Sie verläuft vom Teamleiter über die DFB-Trainer mit C- und B-Lizenz, bis hin zur DFB-Elite-Jugend-Lizenz und dem DFB-Trainer mit A-Lizenz. Wer den Sprung als Trainer in den Profifußball schaffen möchte, muss zudem die Ausbildung zum Fußballlehrer machen. Warum also nicht eine Laufbahn als Trainer anstreben, den Fortschritt der eigenen Mannschaft beobachten und die Geschicke des Teams leiten?

Sollte Euch der Trainerweg nicht zusagen, gibt es eine weitere Alternative direkt auf dem Spielfeld: Als Schiedsrichter hast du das Sagen auf dem Platz. Gute und motivierte Schiedsrichter werden immer gesucht und Aufstiegschancen sind gegeben. Wer den Sport verstanden hat und zu einem fairen Wettbewerb beitragen will, sollte unbedingt einen Schiedsrichter-Schein machen. Es gibt auch in den untersten Ligen Schiedsrichter-Beobachter. Zudem finden viele Schulungen und Fortbildungen statt und der DFB setzt sich ganz besonders ein. Schiedsrichter sind unabdingbar für diesen Sport und wer das nötige Selbstvertrauen hat, sollte versuchen, soweit wie möglich zu kommen. Natürlich gibt es pro Spiel auch eine feste Vergütung. Ab der 2. Bundesliga gibt es sogar ein festes Gehalt. Demnach ist der Job des Fußballschiedsrichters sehr lukrativ.

Die klassischen Ausbildungsberufe

Ein sehr beliebter Ausbildungsberuf ist der der Sport- und Fitnesskauffrau beziehungsweise des Fitnesskaufmanns. Damit habt ihr zum einen die Möglichkeit, in Sport- und Fitnessstudios zu arbeiten, aber eben auch bei Vereinen und Verbänden. Die Aufgaben in diesem Beruf sind vielfältig. Dazu gehört zum Beispiel die Entwicklung individueller Sportangebote, Trainingsabläufe und Ernährungskonzepte. Außerdem steht ihr in engem Kontakt mit den Kunden und Sportlern, die ihr betreut.

Die nächste Option, die sich bietet, um in der Fußballbranche zu arbeiten, ist der Bereich Merchandising. Hierbei ist vor allem die Arbeit im Fanshop eines Vereins interessant. Dabei sind die Jobs in den Fanshops, die unmittelbar am Stadion sind, natürlich am begehrtesten. Solltet ihr einen solchen Job bekommen, seid ihr während Eurer Arbeit hautnah beim Bundesliga-Spieltag dabei und könnt die Atmosphäre immer wieder erleben.Wenn ihr Euch für einen solchen Job interessiert, solltet ihr den Weg mit einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann beziehungsweise zur Einzelhandelskauffrau anstreben.

Diejenigen, die keinen kaufmännischen Weg einschlagen möchten, haben mit einer Ausbildung zum Physiotherapeuten aber ebenfalls die Möglichkeit, einen spannenden Berufszweig in der Gesundheitsbranche kennenzulernen. Aufgrund der hohen Belastung im Profifußball vergeht kaum ein Tag, an dem ein Spieler den Physiotherapeuten des Vereins nicht aufsucht. Die Ausbildung zum Physiotherapeuten ist eine schulische Ausbildung. Sie ist bundesweit einheitlich geregelt, wird in Berufsfachschulen angeboten und dauert drei Jahre.

Für diejenigen, die lieber etwas Kreatives machen, gibt es natürlich auch Möglichkeiten in der Fußballwelt. Als Stadionfotograf arbeitet ihr zwar nicht für einen Verein, seid aber trotzdem hautnah dabei. Die duale Ausbildung zum Fotografen dauert drei Jahre. Die besten Chancen als Fotograf auch im Stadion eingesetzt zu werden, hat man in der Sportredaktion einer Zeitung oder bei einer Nachrichtenagentur.

Fürs Management ist ein Studium Voraussetzung

„Jeder will Sportmanager werden.“ Das weiß Frank Ditgens durch seine Tätigkeit in der Fußballbranche nur zu gut. Um an einen dieser wirklich begehrten Jobs zu kommen, braucht ihr aber auch eine besonders gute Qualifikation. Ein Studium im Bereich Wirtschaft und Sportmanagement ist dafür unabdingbar. Zudem ist es einfach wichtig, viel Erfahrung in dem Bereich zu sammeln, Kontakte zu pflegen und ein großes Know-how mitzubringen.

Es gibt aber auch eine Alternative im Bereich Management. Die Angestellten im Veranstaltungsmanagement eines Vereins haben die Aufgabe, die einwandfreie Abwicklung eines Spieltages zu organisieren und zu gewährleisten. Sollte Euch die Arbeit in diesem Bereich zusagen, ist ein Studium im Veranstaltungsmanagement erforderlich. Zudem könnt ihr mit einer Ausbildung zur Veranstaltungskauffrau bzw. zum Veranstaltungskaufmann berufliche Erfahrungen in diesem Bereich sammeln und Euch somit gegebenenfalls auch für die Arbeit in größeren Sportvereinen qualifizieren.

Der Traumjob schlechthin in der Fußballbranche ist wahrscheinlich der des Sportjournalisten.Einmal Bastian Schweinsteiger interviewen, das Champions League-Finale im TV kommentieren oder den WM-Kader der deutschen Fußball-Nationalmannschaft verkünden. Als Sportjournalist oder Pressesprecher habt ihr die Chance dazu. Um einen dieser Traumjobs ausführen zu dürfen, braucht ihr allerdings auch gute Qualifikationen. Hierfür bieten sich einige Studiengänge an, die sowohl bei Vereinen als auch bei Presse- und Medienhäusern gerne gesehen sind. Beispiele hierfür sind ein Studium im Bereich Journalismus, Germanistik, Sport und Medien- oder Kommunikationswissenschaften. All diesen Studiengängen sollte allerdings auch noch ein Volontariat angeschlossen werden.

Wenn ihr den Sprung zum Fußballprofi also nicht schafft, müsst ihr Eure Leidenschaft trotzdem nicht aufgeben. In der Fußballbranche gibt es viele spannende Berufsfelder und Tätigkeiten. Allerdings fliegen Euch auch diese Jobs nicht zu, wie Frank Ditgens weiß. „Die Jobs in dieser Branche sind rar gesät.“

Von Dominik Förster
Foto: Svenja Jendreiek