Berufskolleg Technik – neuer Bildungsgang für Maler und Lackierer

   Januar 31, 2017   Kommentare deaktiviert für Berufskolleg Technik – neuer Bildungsgang für Maler und Lackierer

Die Ausbildung im Handwerk der Maler und Lackierer erhält einen frischen Anstrich. Mit dem kommenden Schuljahr führt das Berufskolleg Technik einen neuen Bildungsgang ein. Die Berufsfachschule für Gestaltungstechnik bietet ab Mittwoch, 30. August, ein Vorbereitungsjahr für künftige Maler und Lackierer an. „Neben der Orientierung, ob dieser Beruf für sie der richtige ist, bietet es den zusätzlichen Vorteil, dass Hauptschüler mit dem Neuner-Zeugnis einen Abschluss der 10. Klasse machen können.“ Aus doppeltem Grund hofft Kollegleiter Oliver Lang deshalb auf Zuspruch. Minimum sind 18 Schüler, damit die Klasse zustande kommt. Neue Wege bei der Nachwuchsrekrutierung zu gehen, begrüßt Detlef Weißenfeld. „Denn wir tun uns schwer, geeigneten Nachwuchs zu finden.“ Dem Vorstand der hiesigen Maler- und Lackiererinnung brennt das Thema unter den Nägeln. „Wir könnten weitere Lehrlinge vertragen“, sagt er. Momentan sind in den drei Jahrgängen am Berufskolleg Technik jeweils zwischen 16 und 18 angehende Maler und Lackierer unterwegs. Konrektor Klaus Mielke,seit 1990 als Lehrer am Kolleg, erinnert sich an deutlich bessere Zeiten: „Vor 15 Jahren gab es in diesem Bereich noch Parallelklassen mit insgesamt 40 Schülern.“ Maler und Lackierer, urteilt Mielke, stehen aber nur stellvertretend für die Schwierigkeiten im gesamten Handwerk. Ausbildungen sind längst nicht mehr so nachgefragt, selbst im früher gerade bei den Jungen so beliebten Kfz-Bereich nicht mehr. Die einjährige Vorqualifizirung an der Berufsfachschule für Gestaltungstechnik soll den jungen Interessenten an drei Tagen die Woche Theorie vermitteln, an weiteren zwei soll die Praxis im Vordergrund stehen. Die könnte in der ÜBL, der überbetrieblichen Lehrwerkstatt im Kolleg stattfinden, unter Leitung von Malermeisterin und Werkstattchefin Tanja Hammersdorf. Detlef Weißenfeld sieht Praktika in diesem Jahr als einen weiteren Baustein: „Die Lehrwerkstatt ist die eine Sache, aber den Schülern bringt sehr viel, wenn sie ins Berufsleben schnuppern und sehen, dass dort vielleicht auch mal über mehrere Tage nur Tapeten abgerissen werden.“ Ein Problem bei den Malern und Lackierern ist nämlich die Abbrecherquote. Manche werfen hin, weil sie sich unter dem Beruf etwas anderes vorgestellt hatten. Praktika helfen, einen reellen Einblick in den Alltag zu gewinnen und Enttäuschungen vorzubeugen. „So wissen unsere Schüler genau, was später auf sie zukommt“, meint Oliver Lang. Am Ende des Vorbereitungsjahres sollen die Schüler des neuen Bildungsganges den Eignungstest der Innung absolvieren. 38 Maler- und Lackiererbetriebe sind dem hiesigen Verband angeschlossen. Von 1984 bis 1987 erlebte Detlef Weißenfeld selber den schulischen Teil seiner Ausbildung am Berufskolleg Technik. Seit 19 Jahren ist er selbstständig, nachdem er die alteingesessene Remscheider Malerfirma Fuchs mit seinem Partner Heiko Faßbender übernommen hatte. Weißenfeld findet, dass sein Beruf alles andere als eintönig ist und viele Vorzüge vereint: „Wir haben laufend wechselnde Arbeitsstellen, oft persönlichen Kontakt zu den Kunden und vielfältige Aufgabenfelder.“  Weißenfeld nennt das Streichen, Tapezieren, Lackieren, Wärmedämmungen installieren, Böden verlegen und auch den Trockenausbau. In der Regel sind es Haupt- und Realschüler, die den Beruf ergreifen. Wenn Hauptschüler nach der 9. Klasse frühzeitig aussteigen und nicht mehr weiterkommen, fallen sie erst einmal in ein Loch. „Für 16- Jährige, die nicht wissen, wie es weitergeht, kann unsere Berufsfachschule für Gestaltungstechnik eine Chance sein, in den Arbeitsmarkt einzusteigen“, betont Schulleiter Lang. Wer sich schlau machen möchte, kann sich beim jährlichen Informationstag des Berufskollegs Technik am 4. Februar (10 bis 13 Uhr) an der Neuenkamper Straße 55 umschauen. Der läuft während der Anmeldephase für das Schuljahr 2017/18. Bis Ende Februar sollten sich Kandidaten beim Kolleg eingeschrieben haben. Aber auch Nachzügler würden noch angenommen. „Schließlich wollen wir unseren neuen Bildungsgang auf jeden Fall an den Start bringen“, meint Oliver Lang.

TAG DES HANDWERKS
Schüler der 9./10. Klassen aller Schulformen werden von der Kreishandwerkerschaft am Montag, 6. März (9.30 bis 16 Uhr) in das Berufskolleg Technik, Neuenkamper Straße 55, zum „Tag des Handwerks“ eingeladen. Diesen gibt es zum zweiten Mal, diesmal jedoch viel größer als beim ersten Mal. Geplant sind elf kleine „lebende“ Werkstätten von der Bau- über Friseur- bis zur Tischler-Innung. Auch die Maler und Lackierer präsentieren sich.

Ein Artikel von Andreas Weber aus dem Remscheider General-Anzeiger vom 31.01.17